Etwa vier Kilometer östlich der türkischen
Hafenstadt Kas liegt eine große, geschützte Bucht.
Südlich wird die Bucht von einem Höhenrücken begrenzt,
der in einer Landzunge ausläuft. Unter Wasser setzt sich
diese Landzunge als Riff fort, weshalb dort heute ein Leuchtturm
steht, der diesem Tauchplatz seinen Namen ("Fener Kulesi")
gibt.
Einige
Felszacken sind über Wasser zu sehen, unter Wasser zieht
sich das Riff noch etwa 20-30 m in die Bucht hinein. Es ist leicht
vorstellbar, dass dieses Riff für Schiffe, die in der Bucht
Schutz suchten und vor Anker gehen wollten, sehr gefährlich
werden konnte.
Auf dem Riff selbst liegen im Flachwasser die verstreuten Überreste
eines wohl antiken Schiffs, vor allem Scherben von Amphoren. An
einer Stelle liegen ortsfremde Steine, bei denen es sich um Ballaststeine
handeln könnte, ebenso undefinierbare Reste wohl menschlicher
Herkunft. In etwas tieferem Wasser hinter dem dort auslaufenden
Riff liegt schräg auf einer leicht abfallenden Sandfläche
das Wrack eines 200 bis 300 Jahre alten osmanischen Segelschiffs.
Die maximale Tiefe am vermuteten Bug liegt bei
etwa 23,5 m, am Heck etwa 22 m. Holzteile, die Überreste
eines Steuerruders gewesen sein könnten, deuten an, dass
das Heck am dem Riff zugewandten Ende des Wracks zu vermuten ist.
Im Bereich des vermuteten Hecks finden sich auch einige Ziegelsteine,
die vermutlich die Lage einer Kochstelle andeuten.
Auch
deren Lokalisierung unterstützt die Vermutung, dass es sich
hier um das Heck handelt. Die Länge des Wracks beträgt
etwa 10 bis 12 m, die Breite etwa 4 m. Der Bug zeigt etwa in Richtung
Nordosten. Die noch vorhandene Struktur hat eine etwa ovale Form.
Die Lage des Wracks erlaubt die Vermutung, dass das Schiff die
Bucht ansegelte, dem Fener Kulesi-Riff zu nahe kam, dort auflief
und sich so schwer beschädigte, dass es nur noch einige Meter
weiter trieb und dann sank. Die Überreste wurden vor einigen
Jahren von türkischen Archäologen untersucht, die das
Schiff anschließend für Sporttaucher freigegeben haben.
Das Betauchen eines historischen Wracks wie dieses
Seglers ist ein ganz anderes Erlebnis als das Erforschen eines
modernen, ganz oder weitgehend erhaltenen Schiffs. Hier braucht
man schon etwas mehr Phantasie, um in diesen Trümmern noch
ein Schiff zu erkennen. Die (vom Heck aus gesehen) linke Seite
des Wracks ist weitgehend im Sand verschwunden, aus dem nur noch
einige Holzstücke herausragen. Fast über die gesamte
sichtbare Länge sich ein etwa einen halben Meter hoher Haufen
von Ballaststeinen aus Geröll.
Dass sie so hoch und frei daliegen, zeigt an, dass von dem Schiff
nur noch der unterste Teil und der Schiffsboden erhalten ist.
Dieser dürfte im Bugbereich freiliegen, da dort eine Metallplatte
mit am Rand steckenden Nägeln zu sehen ist, bei der es sich
entweder um eine alte Reparatur oder den Teil eines durchlaufenden
Beschlags zum Schutz vor dem Holzbohrwurm (teredo navalis) handelt.
Der Bug ist, vielleicht durch Beschädigungen beim Auflaufen,
vielleicht aber auch, weil er aufgrund der Lage des Wracks am
exponiertesten ist, der am schlechtesten erhaltene Teil des Schiffs.
2005, bei meinem zweiten Tauchgang, war dieser Bereich - vielleicht
durch einen Sturm - etwas stärker aufgewühlt, und man
konnte an dieser stelle schön die Kunstruktion des Schiffs
im Bereich des Kiels und der Beplankung betrachten. Taucht man
dann rechts an den Ballaststeinen vorbei, sieht man die Spanten
aus dem Sand ragen. An den maximal noch etwa 60-70 cm hoch aufragenden
Spanten sind teilweise noch Reste der Außen- und Innenbeplankung
zu sehen. Die Trümmer sind dick mit Algen und Inkrustationen
bedeckt. Etwa in der Mitte findet sich eine Struktur mit drei
hochstehenden Ringen, bei der es sich um den Rest eines Fasses,
vielleicht auch einer Bilgenpumpe handeln könnte.
Zwischen den Spanten fanden wir die Scherben von
Tonkrügen sowie eine Flasche, die wohl eher nicht zum Wrack
gehört und neueren Datums ist. Ein Teller soll dort auch
noch irgendwo herumliegen, wir haben ihn allerdings nicht gesehen.
Etwa 2 m vor dem Heck liegen auf den Ballaststeinen die markantesten
Reste des Schiffes, zwei große Tonkrüge, von denen
einer noch weitgehend intakt, der andere jedoch zersprungen ist.
Neben einigen kleineren Fischen und Borstenwürmern war bei
meinem ersten Tauchgang an dieser Stelle (2004) ein großer
Flügelhahn der auffälligste Bewohner des alten Schiffes.
Er
ergriff jedoch ziemlich schnell die Flucht. Im Jahr darauf war
er nicht mehr zu sehen - passenderweise hatte ich einen Fisch
dieser Art zuvor in einem Fischgeschäft gesehen - dafür
bevölkerten einige kleine Zackenbarsche das Wrack, einer
davon stellte sich schön in der fassartigen Struktur in Positur.
Hinter dem vermuteten Heck liegt halb im Sand vergraben ein etwa
einen Meter langer Holzbalken, bei dem es sich um den Rest eines
Steuerruders handeln könnte. Einen oder mehrere Mastfüße
konnte ich nicht erkennen - er ist vielleicht durch die Ballaststeine
verschüttet - doch ist anzunehmen, dass das Schiff einen
oder zwei Masten mit einem für das Mittelmeer typischen Lateinersegel
hatte. Auch Anker waren nicht zu erkennen. Sie könnten am
Bug im Sand vergraben sein. Gerade weil dieses alte Segelschiff
so anders ist als moderne Wracks und man in der Regel kaum an
historischen Wracks dieser Art tauchen darf, hat es mich ziemlich
fasziniert. Wer sich jedoch nicht so für alte Schiffe und
Unterwasserarchäologie begeistern kann, wird solcherart eher
spärliche Reste nicht so begeisternd finden. Das Wrack ist
relativ einfach zu finden: Man peilt vom Ankerplatz neben dem
Riff den rechten der beiden Funkantennen auf dem gegenüberliegenden
Berg an und taucht dann, wenn man das Wrack nicht sieht, bei 22
m nach links.