Östlich
von Kas liegt eine sandige, von drei Seiten von hohen Bergen geschützte
Bucht, die einen ausgezeichneten natürlichen Hafen bildet.
Als solcher dürfte sie sich bereits bei den Seefahrern der Antike großer Beliebtheit erfreut haben. Allerdings ist die Zufahrt von Osten her nicht ohne Gefahr. Vor der Landzunge, die die Schiffe für die Einfahrt in die Bucht umrunden müssten, erstrecken sich vom Ufer weg die Zacken eines Felsenriffs. Sie stellen auch heute noch eine erhebliche Gefahr für Schiffe dar, worauf der dort stehende Leuchturm hinweist. In frühren Zeiten ist das Riff mehreren Schiffen zum Verhängnis geworden, die wohl die Kurve zu eng genommen und sich ihren Rumpf an den gezackten Felsen des Riffs aufgerissen haben. Vor 200 bis 300 Jahren sank hier ein osmanischer
Segler, dessen Wrack einige Meter hinter dem Riff innerhalb
der Bucht auf einer Seegraswiese liegt. Doch auch auf dem Riff
selbst wird man bei der Suche nach Relikten der Vergangenheit
fündig: Hier finden sich die allerdings recht spärlichen
Reste eines antiken Wracks.
Die Amphorenscherben des antiken Wracks fanden wir bis etwa 17 m Tiefe, tendenziell eher auf der dem offenen Meer zugewandten, westlichen Seite des Riffs. Sie sind aber weit verstreut und eigentlich überall auf und zwischen den Felsen zu entdecken. Die besser erhaltenen Teile fanden wir aber in diesem tieferen Bereich,
so den oberen Teil
einer Amphore und zwei Ausgussöffnungen mit den noch daran
hängenden Henkeln, wobei in einem ein schöner, rot leuchtender
Seestern saß. Eine Besonderheit war ein Stück Holz,
das von diesem Schiff stammen könnte. Es zeigte deutlich
die Auswirkungen des Befalls mit dem Schiffsbohrwurm teredo
navalis, der dafür sorgt, dass von alten Schiffswracks irgendwann kaum mehr etwas hölzernes übrig bleibt, sofern es nicht durch Sandablagerungen o.ä. geschützt wird. Von außen sah es noch nach Holz aus, aber an einer aufgebrochenen Stelle war gut zu erkennen, dass dieses Holzstück eigentlich nur noch aus Fraßgängen des Schiffsbohrwurms bestand. Die Scherben ziehen sich bis in den Flachbereich,
und dort habe ich bei unserem
ersten Tauchgang 2004 auch eine Geröllablagerung gesehen,
die mir nicht aus einheimischen Steinen zu bestehen schien und
vielleicht aus Ballaststeinen eines antiken Schiffs bestehen könnte.
Es ist natürlich gut möglich, dass sich hier die spärlichen
Überreste mehrerer Schiffe überlagern,
aber zumindest die
im tieferen Bereich des Riffs liegenden Amphorenscherben sehen
relativ einheitlich aus und deuten hier zumindest auf ein Wrack
hin. Aus welcher Zeit die Amphoren stammen, konnte ich angesichts
des Erhaltungszustands noch nicht feststellen, sie sind aber wohl
wie die meisten betauchbaren antiken Überreste aus der Römerzeit.
Von besonderem Interesse sind diese wie gesagt spärlichen
Überreste eigentlich nicht, zumal man in der Nähe ja
ein wesentlich besser erhaltenes historisches Wrack betauchen
kann. Die besser erhaltenen Reste bieten immerhin - wie hier zu
sehen - einige recht hübsche Fotomotive und lockern den Tauchgang
auf diese Weise etwas auf. Das Riff ist insgesamt ein eher durchschnittlicher
Tauchplatz, bietet aber vor allem Gelegenheit für schöne
Nachttauchgänge, bei denen wir z.B. jagende Oktopusse, große
Bärenkrebse und Sepien gesehen haben. Tagsüber kann
man hier Drückerfische in beträchtlicher Größe
antreffen.